6 Schritte zum pfiffigen Reisebericht

„Schreiben Sie mal einen Reisebericht“ – sagt Ihr Chef. Toll, super Idee, das wäre ein gutes Marketinginstrument für unsere Kunden. Okay, nur – wie geht das? Was ist wichtig? Verrate ich nicht zu viel und der Leser bucht dann seine Reise woanders? Wie kann ich meine Erlebnisse spannend erzählen? Wie starte ich überhaupt? Was soll alles drinstehen?

Keine Panik! Wie Sie jetzt ganz leicht Ihren pfiffigen Reisebericht verfassen können, lernen Sie in den folgenden 6 Schritten.

Schritt 1: Machen Sie sich schreibbereit

Suchen Sie sich ein schönes, ruhiges Plätzchen und machen Sie es sich bei Tee oder Kaffee gemütlich. Mit ein paar Fotos und Erinnerungsstücken von Ihrer Reise und mit Ihren Lieblings-Schreibutensilien geht es dann auch gleich los. Im Büro wirklich nur zur Not – und dann möglichst im Back-Office. Am besten schreiben Sie außerhalb Ihrer Kundenberatungszeiten. Wenn es allerdings dann doch nur im Reisebüro geht, suchen Sie sich eine ruhige Ecke. Außerhalb Ihres Büros fällt es vielen leichter, kreativ zu sein. Das kann zu Hause, in einem Café oder – wenn das Wetter es zulässt – auch im Freien sein.

Heute können Sie aus den unterschiedlichsten Schreibmedien wählen. Stift, Notizbuch, Diktiergerät, Mikrofon oder Diktiersoftware, Laptop oder Handy. Oft ist es auch sinnvoll mehrere Schreibmedien zu kombinieren: ein Blatt Papier für die rasche Denkskizze, die Tastatur für die Gliederung oder das Mikrofon fürs zügige Texten. Probieren Sie aus, was für Sie am besten funktioniert!

Sie fragen sich bestimmt, wie viel Zeit Sie für einen Reisebericht investieren müssen. Da gibt es natürlich Unterschiede je nach Dauer und Intensität so einer Reise. Ein Wochenende in Berlin kann in 30 Minuten geschrieben sein, für eine Neuseeland-Reise brauchen Sie vermutlich eine Stunde und mehr. Mit der Zeit und mit viel Übung schreiben Sie sicherer und schneller.

Schritt 2: Wer sind Ihre Leser und was wollen Sie Ihnen geben?

Wir sind uns ja bestimmt einig: Ein Reisebericht soll im besten Fall diese Reise verkaufen! Darum stellen Sie sich einen typischen Kunden vor, den Sie mit dieser Reise begeistern wollen. Nehmen wir mal an, Sie waren auf einer Nordland-Kreuzfahrt von Bergen bis Spitzbergen. Natur pur, zischende Gischt und helle Nächte mit atemberaubender Küstenlandschaft. Das könnte doch etwas für die Zielgruppe „junggebliebene Senioren-Paare“ sein. Die schreiben und sprechen Sie jetzt an und zwar so, dass Verlangen und Leidenschaft für diese Reise geschürt wird.

Sie beantworten im Text gleich die üblichen Fragen nach Kabinenauswahl, Kleidung, Getränkepakete, Anreise und All-Inklusive-Schiffe. Auch Geschichten wie Seekrankheit, Passagierzahl und Rettungsschiffe können Sie in dem Reisebericht erwähnen.

Ganz wichtig ist am Schluss eine klare Empfehlung. „Diese Kreuzfahrt hat mir sehr viel Spaß gemacht und auch Sie werden auf Ihre Kosten kommen.“

Schritt 3: Ideen entwickeln

Für alle, die gern einfach losschreiben, empfehle ich zwei hilfreiche Techniken für die Ideenfindung. Sie machen sich damit Ihre Gedankengänge bewusster und entwickeln sie im Schreiben weiter. Außerdem lässt sich durchs Schnellschreiben der innere Zensor besonders gut ausschalten: Sie helfen sich leichter ins Schreiben hinein. Schreibdenken inspiriert und macht viel Spaß.

Erste Technik: Der Gedankensprint in 4 Minuten

Stellen Sie sich einen Timer und schreiben Sie Ihre Gedanken über Ihre letzte Reise unzensiert auf. Wichtig dabei ist: So schnell wie möglich! Nicht innehalten. Nicht nochmals lesen. Nicht korrigieren. Notieren Sie vollständige Sätze, Satzfragmente oder Stichwörter. Es fällt Ihnen gerade nichts ein? Bleiben Sie im Schreiben: Wiederholen Sie das letzte Wort, bis es weiterfließt.

Zweite Technik: Der Fokussprint in 4 Minuten

Formulieren Sie eine Überschrift zu der Reise, zu der Sie Ideen sammeln möchten. Das kann eine Frage oder ein Satzanfang sein. Was hat mir an Menorca besonders gut gefallen? Ich liebe Neuseeland, weil…

Schreibdenken Sie wie beim Gedankensprint. Achten Sie darauf, nicht vom Thema Ihrer Überschrift abzuschweifen. Wenn das passiert, kehren Sie umgehend wieder zurück.

Bei beiden Techniken ist wichtig, die gesamten vier Minuten voll auszunutzen. Also nicht vorher aufhören, nur weil Ihre Ideen mal ins Stocken kommen. Das ist normal und es kommt immer wieder ein neuer Gedankenschwall nach.

Schritt 4: Die Ideenbeute strukturieren

Jetzt lesen Sie Ihre Ideenbeute durch und markieren alles, das für diesen Bericht bedeutsam und ungewöhnlich ist. Hier ein kurzes Beispiel von meiner Reise: Herrliche Wanderwege. Unglaubliche Landschaft. Das erste Hotel lag völlig abseits und jedes Zimmer hatte einen wunderbaren Ausblick. Ein Jagdgebiet auf dem extrem viele Hirsche stehen. 3 Stationen unterwegs, völlig unerwartete Gebiete … Jeweils ein völlig anderes Wandergebiet. Gewaltig.

Aus dieser Essenz ergibt sich der Kernsatz oder der Arbeitstitel: Wandern auf La Réunion – unglaublich gewaltig und völlig unerwartet.

Geben Sie Ihrem Text eine klare Struktur anhand eines roten Fadens:

  • Grund der Reise. War es eine Info-Reise oder Ihr privater Urlaub mit dem Veranstalter XY? Mit wem oder mit was waren Sie unterwegs?
  • Eine kleine Beschreibung vom Land oder der Stadt mit allgemeinen Dingen wie Lage, Größe, Besonderheiten, Sehenswürdigkeiten und markante Plätze; Beschreibung der Unterkunft, Qualität des Essens, die Möglichkeit des Transportes.
  • Erzählender Text über Ihre Erlebnisse.
  • Tipps und Tricks. Sie haben ja jetzt schon den einen oder anderen Insidertipp.
  • Am Schluss eine Empfehlung oder eine Aufmunterung, der einen Reisebericht rund und attraktiv noch näher an Ihre Leser bringt.

Schritt 5: Reflektieren

Geben Sie sich selbst ein Feedback beim Durchlesen und gönnen Sie Ihrem Text eine kurze Pause. So klärt sich meistens die Perspektive und Sie sehen später die Stärken und Schwächen. Eine gute Möglichkeit zum Feedback ist, den Text einem Kollegen vorzulesen.

Diese Fragen sollten Sie sich noch stellen:

  • Spricht dieser Text meine Zielgruppe an?
  • Weckt er Lust und Laune diese Reise zu buchen?
  • Ist er ehrlich, also nichts beschönigt oder zu sehr „Werbesprech“?

Schritt 6: Feintuning und Überarbeiten

Planen Sie genug Zeit fürs Überarbeiten ein. So können Sie beim Überarbeiten noch grundlegende Änderungen zulassen.

Wichtig für das Feintuning sind folgende Fakten:

  • Der Text besteht aus Ihren eigenen Wörtern, also keine Texte aus Katalogen, Internetbewertungen o. Ä. abschreiben!
  • Der Bericht ist lesefreundlich, also gut gegliedert, zum Beispiel durch sinnvolle Absätze, Zwischenüberschriften und aussagekräftige Aufzählungen.
  • Achten Sie auf gut lesbare Sätze (keine endlosen Schachtelsätze). Werfen Sie Füllwörter wie vielleicht, eigentlich etc. raus.
  • Und denken Sie daran: Fachbegriffe, die für uns klar wie Kloßbrühe sind, aber für Laien schwer verständlich oder wenig attraktiv klingen, sollten vermieden werden.

Mit diesen Tipps sind Sie bestens gewappnet für Ihren pfiffigen Reisebericht.

Möchten Sie fit im Reiseberichte schreiben werden? Bei meinem Webinar am Freitag, 12. Mai 2017 haben Sie die Möglichkeit, das kreative Schreiben live und mit direktem Feedback zu üben. Sichern Sie sich jetzt Ihren Platz!

Was ist Ihr Geheimrezept beim Schreiben von Reiseberichten? Ich freue mich über Ihre Erfahrungen und Kommentare.

4 Kommentare
  1. Beate Höftman
    Beate Höftman sagte:

    Liebe Margit,

    Danke für Deine Tipps, die ich in meinem nächsten Bericht ausprobieren werde. Vielleicht kann ich so ja meinen Stil mal verändern, denn ich habe das Gefühl, dass sich alles sehr ähnlich anhört. Auch weiß ich nie so recht, wie viel ich von einer Reise Preis geben soll. Auf der einen Seite soll es ja Lust auf das Ziel oder die Reise machen, aber zu viel möchte man ja auch nicht verraten. Buchen kann der Kunde schließlich überall und eigentlich sollte er ja bei mir buchen. Ich habe auch schon mal versucht es recht knapp zu halten. Leider habe ich aber noch nie von einem Kunden die Resonanz gehabt, dass er durch einen meiner Reiseberichte auf das Ziel aufmerksam wurde.
    Schade, dass ich an Deinem Webinar nicht teilnehmen kann, ich bin dann in Urlaub. Aber danach werde ich für Mauritius den neuen Bericht verfassen. Bin mal gespannt!

    Ganz liebe Grüße
    Beate

    Antworten
    • Margit Heuser
      Margit Heuser sagte:

      Liebe Beate,

      sehr schön von Dir zu lesen. Das Webinar gibt es auch noch ein paar Mal bei den Chancen-Seminaren der TUI – melde Dich rasch an.
      Es gibt keine Geheimnisse im Internet. Schreib ruhig einen Geheimtipp – damit machst Du Dich zum Experte und Google liebt spannenden, neuen Inhalt.
      Der Reisebericht sollte 300 Zeichen oder etwa eine DINA4 Seite lang sein – damit er überhaupt zur Kenntnis genommen wird. Und am Schluss immer eine Empfehlung und den Wunsch, dass der Leser zu Dir kommt – Dann klappt es….
      Meine Neuseeland-Reiseberichte wurden von Menschen gelesen, die dachten ich hätte ein Reisebüro, hihihi.
      Liebe Grüße von Margit aus dem gerade regnerischen Allgäu

      Antworten
  2. Marion Stelter
    Marion Stelter sagte:

    Die Tipps werde ich gleich in meinem nächsten Bericht beherzigen, war eine Kreuzfahrt in die Emirate. Und die Idee den Bericht im Büro zu verfassen, habe ich sofort verworfen. Gespannt bin ich auf die 4 Minuten Phase.
    Vielen Dank

    Antworten

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