Das Leben ist kein Konjunktiv – Sprechfallen (nicht nur) im Verkaufsgespräch

Sprechfallen sind Worte, die die Bedeutung einer Aussage verfälschen, schwächen oder unglaubwürdig machen. Diese Worte können sogar negative Gedanken, Druck und Widerspruch auslösen. Es fällt uns selbst oft nicht auf, wie wir sprechen. Wir übernehmen die Ausdrucksweise von unseren Eltern, den Lehrern oder unseren Chefs. Oft haben sich ganz bestimme Worte schon gewohnheitsmäßig in einem Reisebüro eingenistet. Ihnen sind bestimmt auch schon einige aufgefallen.

Wir sind was wir sagen und wir sagen, was wir denken!

Der Haken daran ist, dass das alles meistens nicht bewusst passiert, sondern nebenbei im Unterbewusstsein abläuft und dann – ausgesprochen – eine unbewusste Reaktion hervorruft.

Jedes dieser Worte bedarf einer individuellen Überprüfung. Machen sie im verwendeten Zusammenhang Sinn oder nicht und können Sie sie streichen?

Ich habe diese Sprechfallen im Reisebüro in 5 Un-Worte-Kategorien unterteilt.

  1. Füllwörter oder Papierkorbwörter
  2. Verallgemeinerungen
  3. Konjunktive
  4. Weichmacher
  5. Abschrecker

Sie finden hier einige „Live“-Sätze aus dem Reisebüro-Alltag und eine Veränderungsanleitung:

  1. Füllwörter äh – also – ähm- ansonsten – tja – oder so – eigentlich – vielleicht – eventuell – aber – auch – ja – im Prinzip – allerdings – gegebenenfalls – relativ – möglicherweise – natürlich – typischerweise – grundsätzlich – letztlich – letztendlich – nahezu – ziemlich – in der Regel – schon – Im Begriff sein – stattfinden – zum Ausdruck bringen – Kenntnisstand – nach Lage der Dinge.

So wird im Reisebüro oft gesprochen:

Also zum Beispiel.

Das ist ansonsten natürlich schwierig.

Das sind relativ kleine Bungalows.

Grundsätzlich ist das ein schönes Hotel.

Füllwörter können Sie weglassen. Versuchen Sie es mal so:

Zum Beispiel.

Das ist schwierig.

Das sind kleine Bungalows.

Das ist ein schönes Hotel.  

2. Verallgemeinerungen man – alle – jeder – jede– jedermann – irgendjemand – irgendwer – die Anderen – wir – die Gesellschaft …

So wird im Reisebüro gesprochen:

Gehen wir mal zusammen durch.

Alle unsere Kunden sind mit diesem Hotel zufrieden.

Jeder möchte gern mit diesem Schiff reisen.

Bietet viel, was man sich anschauen kann.

Sprechen Sie nicht in Verallgemeinerungen sondern pflegen Sie eine individuelle Ansprache. Versuchen Sie es mal so:

Ich zeige Ihnen das Angebot

Sie werden mit diesem Hotel zufrieden sein.

Das ist genau das richtige Schiff für Sie.

Sie können sich bei dieser Rundreise viel Interessantes anschauen.

 

  1. Konjunktive müsste – hätte – dürfte – könnte – würde – möchte – wäre – sollte – wollte.

So wird im Reisebüro gern gesprochen:

Es kommt darauf an, wann Sie gehen könnten.

Es würde kosten.

Es wäre ein 3-Sterne Hotel.

Dürfte ich Ihre Adresse aufnehmen?

Konjunktive liegen zu weit in der Zukunft und sind Wunschdenken. Sprechen Sie in der Gegenwart.

Wann können Sie reisen?

Es kostet.

Es ist ein 3-Sterne-Hotel.

Wie ist Ihre Adresse?

  1. Weichmacher glauben – versuchen – probieren – nicht – ganz kurz – kurz – nebenbei – vielleicht – schon-mal

…und im Reisebüro?

Dann kann ich vielleicht beim Veranstalter anrufen.

Ich glaube, da gibt es keine Flüge mehr.

Setzen Sie sich doch kurz.

Ich probiere mal, ob ich etwas für Sie finde.

Weichmacher sind wie Weichspüler. Zeigen Sie mit klarer Sprache Ihr Selbstbewusstsein.

Ich rufe gern beim Veranstalter an.

Nehmen Sie bitte Platz.

Ich finde Ihnen was Schönes.

Ich finde etwas für Sie.

  1. Abschrecker Problem/kein Problem – Sorgen/keine Sorgen – Angst/keine Angst – müssen – aber – unbedingt – sofort – ich erwarte – sollen – Verpflichtung – Mühe/keine Mühe – langer Weg – Verantwortung – Disziplin.

Im Reisebüro wird gern so gesprochen:

Da brauchen Sie sich keine Sorgen machen.

Das Problem ist, dass es keine guten Flugzeiten mehr gibt.

Das muss ich  nachschauen.

Das macht mir keine Mühe.

Wollen Sie den Kunden etwas verkaufen oder sie erschrecken?

Es ist alles sehr gut organisiert./Die Lage ist momentan sicher

Es gibt noch diese Flugzeiten.

Ich schaue gern für sie nach.

Das mache ich gern für sie.

  • Hier gibt es noch weitere Ideen

    5 ultimative Tipps wie Sie Ihre Sprechfallen loskriegen

    1. Sie schreiben sich auf einen Klebezettel das Un-Wort, streiche es dick rot durch und hängen es an eine für Sie – nicht für den Kunden – gut sichtbare Stelle auf.
    2. Sie üben Sätze ohne diese Worte ein.
    3. Sie lernen diese neuen Sätze am besten auswendig.
    4. Wenn Sie ein gutes Büro-Klima haben, können Sie Ihre Kollegen auf die benutzten Un-Wörter aufmerksam machen und sie Ihrerseits um Feedback bitten.
    5. Sie schreiben die Un-Wörter aller Kollegen auf verschiedenfarbige Klebezettel und hängen diese an einen gut sichtbaren Platz im Backoffice auf. Zum Beispiel an den Kühlschrank.
    Haben Ihnen diese Ideen und Tipps geholfen? Was sind Ihre Erfahrungen mit den Sprechfallen?

    Ich freue mich – wie immer – und auf jeden Fall über viele Kommentare und Erlebnisse.

  • Das ist mir wichtig

    Auch hier, wie in allen meinen Blogs, wieder die Bitte an meine lieben Leser: Kommentieren, schreiben Sie mit, schicken Sie mir Ihre Ideen und Ihre Maßnahmen.

And the winner is...

Beim Webinar am Donnerstag, 1. Juni gab es 3 glückliche Gewinnerinnen für das Super-Buch – ein praktisches Notizbuch für Ideen und Projekte. Diesen schönen Preis gab es für die schnellsten Anmeldungen beim LiveBook-Mitmach-Projekt: www.wir-verkaufen-Urlaub.de. Wir beglückwünschen Helga Schmidt, Melanie Mohl und Barbara Richter

3 Kommentare
  1. Silke Edel-Pfannschmidt
    Silke Edel-Pfannschmidt says:

    Liebe Frau Heuser,
    dieses Thema ist für jeden von uns sehr wichtig. Ich ertappe mich selbst oft dabei, das ich den Konjunktiv verwende oder Weichmacher benutze. Sie haben recht, Selbstbewußtsein sieht anders aus. Oft ist es mir gar nicht bewusst, wie sehr die Sprache auf unseren Kunden wirkt. Die Tipps am Ende sind sehr praktisch. Vielen Dank!

    Antworten
  2. Bernd Schray
    Bernd Schray says:

    Liebe Margit, dieses Kapitel ist – wie auch die vorherigen – gut, klar und knackig auf den Punkt gebracht. Vielleicht noch eine Ergänzung. Mir ist aufgefallen, dass Menschen oft denken, während sie reden. Das führt zu vielen Ähs, Öhs und Versprechern. Lieber vorher überlegen und dann flüssig aussprechen, was man sagen will.

    Antworten
    • Margit Heuser
      Margit Heuser says:

      Guten Morgen lieber Bernd,
      ja wunderbar – das stimmt was Du sagst. Das passiert ja auch den großen Speakern, wenn sie nicht gut vorbereitet sind. Liebe Grüße an Gabi

      Antworten

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