Zwei lachende Frauen mit Kaffee im Café

Furchtbar nette Kunden mit viel Zeit

Herr Mayer ist ein sooo netter Mensch. Er schaut regelmäßig zu uns ins Reisebüro. Er mag uns gern. Er bucht nicht jedes Mal eine Reise – aber immerhin fliegt er zweimal im Jahr nach Gran Canaria- und ich möchte ihn bestimmt nicht vergraulen.

Frau Schmitt kommt auch öfters zu uns, trinkt dann einen Kaffee, fragt zum xten Mal nach ihrer Wunschreise nach Mallorca. Sie kann noch nicht buchen, sagt Sie – aber ist das Hotel noch frei? Da steht noch eine ärztliche Untersuchung aus, die will sie noch hinter sich bringen.

Menschen, die kein Ende beim Erzählen finden… da sitzt mal wieder so Einer. Und redet und schwätzt und erzählt von den Enkeln und den schönen Primeln vom Markt und von einem guten Sößle (für Nichtschwaben: Das ist eine besonders leckere Sauce) und jetzt kommt auch noch der Chef dazu und es nimmt wieder mal kein Ende. Bla bla bla …

In jedem Reisebüro gibt es sie: Die Vielredner, Quasselstrippen oder Plappermäulchen. Die Mitarbeiter rutschen schon auf ihren Schreibtischstühlen unruhig hin und her – aber wollen nicht unhöflich sein und irgendwie kriegen sie diese besonders anstrengenden Kunden auch nicht so einfach los.

Bevor Sie jetzt ganz schwer stöhnen und Ihnen fast die Spucke vor Aufregung wegbleibt. Hier kommt die Lösung: Meine allerallerbesten und super-praktischen, tausendmal probierten 7 Tipps.

  1. Erklären Sie ehrlich und freundlich-bestimmt, dass momentan sehr viel zu tun ist. Nicken, ernst schauen und die Hände bedeutungsvoll auf den Stapel Vorgänge legen. “Sind Sie mir nicht böse, ich habe heute noch eine Menge Anfragen zu beantworten.”
  2. Die Kollegin unterstützt Sie mit: “Denk an deinen Termin!”. Sprechen Sie sich einfach ab und vereinbaren Sie ein Geheimzeichen. Also irgendwas wie dreimal Husten oder das Radio lauter stellen.
  3. Schweigen. Nicht nicken. Kein “aha”, “mhm” oder “verstehe” einstreuen. Was Sie als Zeichen der Höflichkeit meinen, verstehen Vielrednern eher als Signal, jetzt noch weiter auszuholen. Schweigen. Atmen. Pokerface.
  4. Nehmen Sie eine Körperhaltung ein, die kein Knigge-Trainer der Welt empfiehlt, da sie Abwehrhaltung und Desinteresse bedeutet. Arme vor dem Körper verschränken. Den Oberkörper etwas nach rechts oder links drehen und das Gegenüber “über die Schulter” anschauen.
  5. Jetzt wird es etwas lauter: Sie klopfen mit beiden Händen auf die Schreibtischplatte. “So jetzt haben wir ja über alles gesprochen.” Zur Verstärkung können Sie auch noch in die Hände klatschen und sich vom Stuhl erheben und im Stehen weitersprechen.
  6. Ein Spezial-Trick, den ich mal im Radio gehört habe. “Wollen Sie noch einen Kaffee, oder?….” Ganz wichtig dabei, das “o d e r” langsam aussprechen und Punkt Punkt Punkt (natürlich ohne Worte) in die Luft setzen. Am besten am Sonntag mit der Schwiegermutter üben.
  7. … und der Spitzen-Tipp am Schluss, einfach und wirkungsvoll. Versprochen! Sie schauen fast (un)heimlich auf die Uhr. Das brauche ich ja nicht so großartig erklären. Das ist doch sonnenklar, oder? Nur ein kurzer Blick kann auch die Wanduhr sein – ohne Worte.

Na, habe ich Ihnen zu viel versprochen? Jetzt nur noch ausprobieren. Gleich beim nächsten Rede-Schwaller. Meine Empfehlung: Mehrstufig arbeiten! Es gibt Menschen, die hören auf dem Ich-habe-viel-zu-arbeiten-Ohr nicht gut. Da nehmen Sie Tipp Nr. 2,3,4 und gehen in eine ungewöhnliche Körperhaltung. Es gibt Menschen, die können eine Körperhaltung nicht wahrnehmen, die brauchen es dann ein wenig deutlicher, Tipp Nr. 5,6,7.

  • Tipp

    Klartext ist hier angesagt.

    Fein und Freundlich. Bei den Mayers dieser Welt sagen Sie ruhig, dass Sie dringend weiterarbeiten müssen und auch schon ein Kunde auf Sie wartet. Mit einem charmanten Lächeln – dann hat er bestimmt Verständnis.
    Bei solchen Menschen wie Frau Schmitt freuen Sie sich sehr, Sie nach der ärztlichen Untersuchung wieder zu sehen – nämlich dann wenn klar ist, ob sie reisen kann.

  • Noch ein Tipp

    Ihr Fingerspitzengefühl ist hier gefragt

    Wenn Sie zu liebenswürdig sind, fühlen sich die meisten Menschen aufgefordert, häufiger zu kommen und sich unterhalten zu lassen. Vor allem einsame Menschen freuen sich auf ein wenig Zuneigung.

  • Kurz und bündig

    Führen Sie das Gespräch und lassen Sie sich nicht vom Kunden führen!

  • Das ist mir wichtig

    Was sind Ihre Ideen und wie lösen Sie das Thema Kunden mit viel Zeit?

13 Kommentare
  1. Gül Cinar
    Gül Cinar says:

    Liebe Margit,

    ich bin mal wieder begeistert. Die Tipps sind super und es klappt -meistens- perfekt 🙂
    Der Telefontipp ist auch super 🙂

    Vielen Dank für Deine tollen Ideen!!!
    Liebe Grüße aus Düsseldorf.

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    • Margit Heuser
      Margit Heuser says:

      Dankeschön Gül. Wenn Du – vor allem am Flughafen – eine gute Idee zum Umgang mit Euren Kunden hast – immer her damit…. ich freue mich und schicke schöne Grüße nach Düsseldorf.

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  2. Britta Stein
    Britta Stein says:

    Wir haben im Einkaufszentrum einige „Spezialisten“, die sich gern bei neuen Kollegen ausführlich beraten lassen.
    Hier kommt dann der „Zauberspruch“; „Denkst du noch an das Kreta-Angebot“.
    Dann weiß der Kollege gleich, dass der sogenannte Kunde nur ein Zeitfresser ist und kann entsprechend auf ihn reagieren.
    Oder wir gehen kurz aus dem Büro und rufen vom Handy aus an.
    Da wir ein kleines Büro sind, muss der Kollege dann ans Telefon.
    Bei einer Kundin wirkt aber gar nichts. Die erzählt und erzählt. Wenn weitere Kunden warten, dreht sie sich auch mal um und sagt „Ich buche hier 5 teure Reise pro Jahr, da müssen sie schon warten bis ich fertig bin“

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  3. Eva Abend
    Eva Abend says:

    Im Grunde können wir ja froh sein, dass uns doch einige als Kommunikationszentrum verstehen, man kann es auch zelebrieren als “ after work “ 1x im Monat machen wir das . Ansonsten ruft ein Kollege auf dem Telefon der Kollegin an und bittet zu einem dringenden Auslandsgespräch 🙂

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  4. Bernd Schray
    Bernd Schray says:

    Wenn Kunden im Büro stehen, dann wird das Problem in der Regel durch die Warteschlange geregelt. Aber wenn die Zeit brennt, kann man das Bürotelefon klingeln lassen, indem andere Mitarbeiter unbemerkt die Telefonnummer von ihrem Handy aus anrufen. Wer geschickt ist, kann es mit einem Knopfdruck über die Wahlwiederholung selbst einrichten 🙂

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  5. Manja
    Manja says:

    Kommt ein Kunde nur zum Kaffeetrinken, sage ich ihm wieviel Zeit ich habe. Das versteht er und geht dann auch. Habe ich Beratungstermine und weiß die Kunden quatschen viel, mache ich eine feste Zeit mit Maximal Dauer aus. Auch das funktioniert. Ich denke, jeder Kunde versteht, wenn wir mit klaren Worten sagen, was wir wollen

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